Work-Life-Balance

Kennst Du das Gefühl, wenn Du Dich nicht auf die Arbeit konzentrieren kannst, weil Du in Deinem Kopf noch mit privaten Themen beschäftigt bist? Beispielsweise, weil Du Dir Sorgen um ein Familienmitglied machst oder gerade einen Streit mit Deiner Partnerin oder Deinem Partner hattest?
Oder andersrum das Gefühl, wenn Du eigentlich Freizeit hast, aber in Gedanken beispielsweise eine Email an jemanden verfasst und Dich am liebsten sofort an den Rechner setzten würdest, um den Gedanken endlich loslassen zu können?

Oft geistert in diesem Zusammenhang der Begriff der „Work-Life-Balance“ herum, der uns ermahnt, ein Gleichgewicht zwischen dem Berufs- und Privatleben herzustellen. Aber kann es eine solche Balance wirklich geben?

Ich persönlich glaube, dass meine „Waage“ nie wirklich im Gleichgewicht ist und auch gar nicht sein sollte. Ich denke vielmehr, dass die beiden Enden meiner Waage jeweils in die eine oder andere Richtung ausschlagen. Meiner Meinung nach ist es nur wichtig, dass die Waage zwei Enden hat und nicht nur auf der einen Seite verharrt, sondern auch einmal auf die Gegenseite ausschlägt.

Ich denke, dass der Wunsch nach einem konstanten Ausgleich der Waage mehr Stress als Beruhigung verursacht, da dieser nicht wirklich und nicht permanent erreicht werden kann. Vielmehr glaube ich, dass es im Leben in vielen Bereichen immer eine Dualität von zwei Eigenschaften oder Gefühlsausprägungen gibt. Es gibt Phasen, in denen man das Abenteuer und die Unsicherheit sucht. Und dem gegenüber stehen dann Phasen und Momente mit einem Bedürfnis nach Sicherheit. Oder es gibt Momente der positiven und freudigen Angespanntheit. Und auf diese folgen Phasen der Entspannung. Eine Eigenschaft braucht immer einen Gegenpol, denn ohne Dunkel kann es beispielsweise kein Hell geben.

In meiner frühen Zeit als Angestellter war ich nach meinem Studienabschluss hoch motiviert und wollte Karriere machen. 60-Stunden-Wochen und Arbeit am Wochenende waren keine Seltenheit. In dieser Phase hatte ich wenig Zeit und auch wenig Interesse an einem erfüllten Privatleben. Irgendwann sah ich die unschönen persönlichen Schicksale meiner Vorgesetzten, die ihr Leben der Karriere gewidmet hatten. Das schreckte mich so sehr ab, dass ich meinen Job kündigte und als Unternehmer versuchte, ein so passiv wie mögliches Einkommen zu erwirtschaften, um meine Lebenszeit möglichst umfangreich der Familie zu widmen. So gut mir dies gelungen ist und so schön dies sein kann, so wenig empfand ich Befriedigung in meinen beruflichen Aktivitäten.

Seit diesem Moment versuche ich, sowohl den beruflichen als auch den persönlichen Teil meines Lebens jeweils intensiv zu leben und den Fokus jeweils abwechselnd auf einen dieser Bereiche zu legen, nach dem Motto „Work when you are working. Play when you are playing“.

Wichtig für mich ist, diese beiden Bereiche strikt und proaktiv von einander abzugrenzen. Es gibt keine unangenehmeren Zustände in meinem Kopf, als wenn ich in der Freizeit an die Arbeit denke. Dank meiner täglichen Meditationsübungen, die ich mittlerweile seit vielen Jahren praktiziere, betreibe ich in solchen Momenten eine „Flucht in die Achtsamkeit“. Ähnlich wie bei der Atemmeditation nehme ich die Gedanken an die Arbeit an und schiebe sie beiseite, um mich ganz auf das in dem Moment stattfindende Privatleben zu konzentrieren.

Was mir ebenfalls hilft, solche Vermischungen zu vermeiden sind „Übergangsrituale“ von der Arbeitszeit hin zur Freizeit. Zum Ende eines Arbeitstages mache ich ebenfalls eine kurze Atemmeditation, zum „runterkommen“. Erst, wenn die Gedanken an die Erlebnisse des Arbeitstages schwinden, gehe ich in mein Privatleben.

Manchmal ist eine mentale Trennung jedoch einfach nicht möglich. Bei oben aufliegenden privaten Themen beende ich dann wenn möglich die Arbeitszeit und gebe den privaten Themen Raum, ohne mich in einem inneren Konflikt aufzureiben. Selten ist etwas dermaßen dringend, dass es keinen Aufschub duldet und dann schichte ich die jeweiligen Zeitkontingente einfach flexibel um.

Was sind Deine Erfahrungen?
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